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05.10.2010, 18:17 Uhr | jf
MIT Northeim gegen anonymisierte Bewerbungen
Ein lebensfremder Vorschlag, der gerade nicht auf die individuellen Stärken und Schwächen eines Bewerbers eingeht und zudem für Mittelständler eine Kostenspirale in Gang setzt – dies sind die Hauptkritikpunkte der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU an anonymisierten Bewerbungen. Ein Pilotprojekt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Ab diesem Herbst testen fünf Großunternehmen, darunter Procter & Gamble, L’Oréal und die Deutsche Telekom ein Jahr lang diese aus den USA kommende Praxis in Deutschland. Eingehende Bewerbungsunterlagen werden auf Jobfakten reduziert, persönliche Eigenschaften und Angaben zu Nationalität, Alter, Geschlecht, Familienstand sowie Namen werden gestrichen. Die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU Northeim (MIT) hält anonymisierte Bewerbungen für einen falschen Weg, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen.
Dr. Jürgen Fiedler
„Neben der fachlichen Qualifikation sind auch persönliche Daten erforderlich, um sich ein Bild über die Eignung eines Bewerbers zu machen“, so Dr. Jürgen Fiedler, Kreisvorsitzender der MIT Northeim. „Gerade bei mittelständischen Unternehmen läuft alles familiärer ab, als bei Großbetrieben.“ Die „Chemie“ zwischen Chef und Mitarbeitern muss stimmen. Die Frage, ob jemand sich sozial engagiert und andere individuelle Faktoren, sind in der Praxis oft ebenso ausschlaggebend.
„Soziale Kompetenz, ehrenamtliches Engagement und die eigene Persönlichkeit dürfen deshalb bei Bewerbungen nicht unter den Tisch fallen“, erklärt Dr. Fiedler. „Schließlich sind Mitarbeiter keine seelenlosen Arbeitsmaschinen, sondern Individuen.“ Bei Bewerbung und Personalauswahl ist deshalb nicht weniger, sondern mehr Transparenz zielführend. Ebenso wie ein Bewerber über das Unternehmen im Internet forschen kann, sollte auch ein Unternehmer die Möglichkeit haben, sich im Netz über potenzielle Mitarbeiter zu informieren. Anonymisierte Bewerbungen sind ein Schritt in die falsche Richtung – eine Scheinlösung, die Gerechtigkeit verspricht und Verwaltungsaufwand schafft. Durch die zusätzliche administrative Hürde besitzt der eigentliche Bewerbungsprozess keinerlei Aussagekraft mehr.
„Nachhaltig sind hier allenfalls massiv steigende administrative Kosten sowie ein zeitlich längerer und umständlicher Bewerbungsvorgang mit unzähligen Bewerbungsgesprächen“, erklärt Dr. Fiedler. „ Dieser Mehraufwand führt insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, die in der Praxis oft keine eigene Personalabteilung haben, zu steigenden Kosten.“ Bezeichnenderweise nehmen am Pilotprojekt nur große internationale Unternehmen teil, die über ihre Personalabteilungen und Mitarbeiter in den USA bereits entsprechende Verfahren kennen.
Außerdem ist mit anonymisierten Bewerbungen dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Anonyme Bewerber können Qualifikationen vortäuschen, die sie gar nicht besitzen, um daraus Vorteile zu ziehen. Hier können sich große Unternehmen, nicht aber Kleine und Mittlere, mit Erfolg wehren. Grundsätzlich gilt: Je restriktiver das deutsche Arbeitsrecht ausgelegt ist, desto wichtiger wird die individuelle Personalauswahl durch Firmenchefs.
Vor diesem Hintergrund fordert die MIT Northeim das Familienministerium, das das Projekt unterstützt, und die Antidiskriminierungsstelle des Bundes auf, keine weiteren Vorstöße in Richtung anonymisierter Bewerbungen zu unternehmen. „Solche bürokratischen Ungetüme sind lebensfremd und beschäftigungsfeindlich“, sagt Dr. Fiedler. „Wir fordern ein Ende der Reglementierungen und rechtlichen Stolperfallen für beschäftigungswillige mittelständische Unternehmen.“

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